Black Mirror: Digitale Dystopien

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Wer einen Netflix-Account sein Eigen nennt, sollte sich die Serie »Black Mirror« mal näher anschauen. Sie regt zum Nachdenken an und zeigt auf, warum wir nicht aufhören dürfen, zu denken.

Höher und weiter

Mir gefallen die Möglichkeiten unserer Zeit. Neue Technologien, Fortschritt, Zukunft – und immer wenn ich den zweiten Teil der »Zurück in die Zukunft«-Trilogie sehe, bekomme ich stets aufs Neue wieder leuchtende Augen. Ich finde es einfach spannend. Ich kann nicht hinreichend erklären, woher diese Faszination kommt. Ist es nur die Technik im Allgemeinen? Sind es fliegende Autos? Die Art, wie wir in Zukunft leben könnten? Oder ist es nur eine Art der Realitätsflucht? Vielleicht von allem ein bisschen. Zumindest assoziiere ich mit Fortschritt immer Erleichterungen für uns Menschen und letztlich eine bessere Welt, als wir sie heute vorfinden. Fortschritt ist in uns allen – wir können gar nicht anders, als immer höher und weiter zu wollen. Fortschritt offenbart sich jeden Tag in seinen unglaublichen Innovationen, die wir gestern noch für unmöglich hielten, morgen schon kaufen können und übermorgen wieder durch etwas Neues ersetzen. Fortschritt offenbart sich auch in seiner schockierenden Grausamkeit, wenn immer noch zerstörerischere Waffen geschaffen werden. Fortschritt ist – wie der Mensch selbst – eben ambivalent.

Dystopia

Diese Ambivalenz wird, wie ich finde, sehr gut in Black Mirror evident. Wie der Name der Serie bereits suggeriert, hält sie uns den Spiegel vor und zeigt die dunkle Kehrseite der neuen und faszinierenden Möglichkeiten auf. Jede Folge spielt in einer anderen möglichen zukünftigen Realität. Diese wird auch stets von immer anderen Protagonisten mit Leben gefüllt. Und eines sei vorweg gesagt: Es gibt kein romantisch verklärtes Happy End.

Genau deswegen halte ich Black Mirror für eine Serie, die man gesehen haben sollte. Sie ist anders, düster und zeigt das Unmenschliche im Menschen im Kontext einer digitalisierten Welt. Trotz aller zivilisatorischen Errungenschaften oder aber vielleicht auch gerade deswegen sind wir auch in den Realitäten von Black Mirror nicht in der Lage, einem Ideal nahe zu kommen, was der jiddischen Bedeutung von »Mensch« entspräche. Dabei geht es nicht darum, Panik zu schüren, Angst zu machen oder in der Digitalisierung die Inkarnation des Teufels zu suchen. Es ist vielmehr ein Scheinwerfer, der den Blick auf verschiedene Aspekte des möglichen gesellschaftlichen Zusammenlebens lenkt.

Die Zukunft schon heute?

Beim Anschauen von Black Mirror wird deutlich, dass wir bereits jetzt im Jahr 2016 von einigen der aufgezeigten Zustände nicht weit entfernt sind. Vieles kommt einem vertraut vor oder es kündigt sich zumindest am Horizont an. Wer mich persönlich kennt, der weiß, wie sehr ich die heutigen Möglichkeiten, die uns die Technik bietet, genieße und wertschätze. Wer mich kennt weiß aber auch, dass ich eine sehr differenzierte Betrachtungsweise habe und wie zuwider mir vermeintlich einfache Erklärungs- und Lösungsversuche für die heutigen und zukünftigen Herausforderungen einer (digitalen) Gesellschaft sind. Die Welt ist nicht einfach nur schwarzweiß und sie wird ebensowenig durch Grauschattierungen hinreichend beschrieben. Black Mirror zeigt eben auch »nur« die schwarze Seite auf, aber das sehr anschaulich und empathisch. Die Serie erweitert meiner Meinung nach den eigenen Horizont und verhilft zu einer – ganz wichtig– erweiterten Betrachtungsweise. Black Mirror sollte nämlich nicht das eigene Denken untergraben sondern vielmehr zum Nachdenken anregen. Denn eines ist sicher: Wir als Gesellschaft brauchen nachdenkende Menschen, die nicht vermeintlich einfache Lösungswege aufzeigen sondern der Komplexität der Herausforderungen gerecht werden.

Habt Ihr Black Mirror bereits angeschaut? Lasst mich gerne im Kommentarbereich wissen, wie Ihr die Serie empfunden habt und was sie bei Euch ausgelöst hat.

 

Bildquelle: Wikipedia


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Marco Braun

Neu-Berliner. Kreativer Querdenker. Pragmatiker mit Vorliebe für schöne Dinge. Alumni der Universität Bielefeld. Treiber des Herzensprojektes Huciety.

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