Gunter Dueck: Wahrheit tut weh

Gunter Dueck auf der re:publica 2013

Wenn es etwas gibt, dass mich noch mehr beeindruckt, als der technische Fortschritt, dann sind es intelligente Menschen, die unbequeme Wahrheiten aussprechen. Gunter Dueck gehört für mich zweifelsohne zu diesen Menschen.

Man ließt seine Vita und gerät ins Staunen. Und ich bin auch ein wenig neidisch. Er hat einfach diese ungeheuer faszinierende Reputation; und gerade diese erlaubt es ihm ja, die zahlreichen unbequemen Wahrheiten aussprechen zu können, ohne dass er auf der Bühne mit faulen Eiern und Tomaten beworfen wird. Obgleich er des Öfteren erwähnt, böse Leserbriefe zu bekommen.

Denkt man dann etwas weiter über ihn nach, dann muss man ihm dankbar sein. Ich meine, er ist jetzt Rentner und könnte den Status ohne die Öffentlichkeit genießen. Er hat in seinem arbeitsreichen Leben bei IBM sicher gut verdient, viele sinnlose Meetings über sich ergehen lassen und könnte jetzt eigentlich die Seele baumeln lassen. Zeitweise macht er das bestimmt auch, zumindest unterstelle ich ihm das jetzt einfach mal. Aber wenn er gerade nicht die Gedanken schweifen lässt, schreibt er Bücher und tritt als gern gebuchter Speaker vor die Menschen, um ihnen einen Spiegel vorzuhalten.

Ich möchte auf seine vielfältigen Themen gar nicht näher eingehen; das muss man sich einfach selbst anschauen. Aber der Tenor vieler seiner Auftritte ist, uns allen aufzuzeigen, dass wir in Deutschland zwar viel arbeiten, aber im Grunde bei den wirklich zukunftsentscheidenden Themen kaum etwas damit bewegen – und wenn doch, sind wir in der Regel zu spät dran. Beispiel gefällig? Während die deutsche Autoindustrie noch überlegt hatte, ob und wann sie in den Markt für E-Mobilität einsteigen soll, hat Tesla bereits die USA, Europa und sukzessiv immer mehr Gebiete der Erde mit Tankstellen zum Aufladen des Teslas versorgt. Elon Musk, CEO von Tesla, auf den ich sicher in einem späteren Beitrag zu sprechen komme, hat schlicht mal eben die Infrastruktur für sein eigentlich zu verkaufendes Produkt geschaffen – genial!

Gunter Dueck konstatiert in vielen seiner Keynotes: Wir müssen endlich was tun, anstatt nur darüber zu reden, dass wir ja eigentlich mal etwas tun müssten. Recht hat er und das ist so etwas, was mich inspiriert hat. Jeder von uns braucht andere Menschen, die einen inspirieren. Menschen, die einen dazu bringen, inne zu halten; die einen dazu bringen, einfach mal zwei Schritte zurück zu treten oder zur Seite zu gehen und all das, was wir für gesichert und als ultimative Wahrheit empfanden, von einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Wenn Ihr Euch auch einfach mal inspirieren lassen wollt, dann habe ich im folgenden ein paar wenige Hinweise, die Ihr als Startpunkt nutzen könnt.

The Wild Duck, wie Gunter Dueck auch genannt wird, wartet unter anderem auch in den gängigen Social Media Kanälen mit zahlreichen Aphorismen auf:

 

Auf seinem YouTube-Kanal findet sich eine umfangreiche Sammlung an Keynotes. Zwei davon habe ich mal direkt hier eingebettet und sie sind beide sehr empfehlenswert. Was ich dazu noch anmerken möchte: Insbesondere am Anfang seiner Keynotes mag Gunter Dueck irgendwie unbeholfen rüberkommen, weil er seine Auftritte, so vermute ich es, nicht so strikt »durchstyled«, wie das etwa von Steve Jobs bei den Apple Keynotes bekannt ist. Davon sollte man sich aber nicht in die Irre führen lassen.

Auf der re:publica 2015 widmete er seinen Vortrag dem Thema Schwarmdummheit. Zufälligerweise ist im selben Jahr sein neuestes Werk mit gleichem Titel erschienen, das ich auch nur wärmstens empfehlen kann. Insbesondere wenn Ihr schon im Berufsleben angekommen seid, werdet Ihr Euch immer wieder dabei ertappen, wie Ihr desillusioniert mit dem Kopf schüttelt!

Erst kürzlich habe ich mir seinen Vortrag über Cargo-Kulte angesehen und von den zahlreichen Analogien und Aphorismen musste ich besonders über zwei Lachen.

Der folgende Satz steht auf einer der im Video zu sehenden Folien zum Thema Cargo-Kulte in der Politik:

Leuchtturmprojekte im Inland ohne Schiffskontakt.

Die nachfolgend zitierte Äußerung kam dem Redner beim Sprechen über agile Softwareentwicklung über die Lippen:

Agil sein heißt, dass man auf Rechtshirn umschaltet, das kann aber kein BWLer.

Das lasse ich jetzt einfach mal so unkommentiert stehen.

Ich wünsche viel Spaß und zahlreiche erhellende Momente beim Anschauen.

 

Bildquelle: Gregor Fischer | re:publica 2013 bei flickr, Lizenz: (CC BY-SA 2.0)


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Marco Braun

Neu-Berliner. Kreativer Querdenker. Pragmatiker mit Vorliebe für schöne Dinge. Alumni der Universität Bielefeld. Treiber des Herzensprojektes Huciety.

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