Hypervernetzung: Disruption der Arbeitswelt

»Mir platzt der Kopf, alles muss ich verändern« singt Peter Fox in »Alles neu« und irgendwie musste ich beim Lesen über die Disruption der Arbeitswelt daran denken. Welche Chancen dieses aber auch bietet, hat die Wissensfabrik herausgearbeitet.

Kein Stillstand, keine Schranken

Wer etwas Zeit aufbringen kann, sollte diese definitiv in den ausführlichen Artikel investieren, über den ich hier quasi auf der Metaebene schreibe; muss man ja auch nicht alles in einem Rutsch lesen. Genau genommen ist es ein öffentlich zugänglicher Teil einer Studie, die auf der Website der Wissensfabrik – ein Think Tank, der sich mit den Herausforderungen der digitalen Gesellschaft beschäftigt – erschienen ist.

Gemäß meines eigenen Anspruchs, auf diesem Blog über meine Erfahrungen und Weiterentwicklung zu schreiben, könnte man meinen,  dass die Beschäftigung mit der Disruption und Digitalisierung einem »Blick über den Tellerrand« gleichkommt.  Ich empfinde dies nicht so. Das hat mehrere Gründe. Ja, ich habe zwar einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund, aber eben auch einen medienwissenschaftlichen. Darüber hinaus darf man nicht dem Irrglauben unterliegen, dass ein Studienabschluss allein einen selbst definiert oder gar in seinen Handlungsspielräumen einschränkt. Die Schranken im Kopf setzt man sich selbst und so liegt es auch an jedem selbst, diese zu überwinden, drunter durch zu kriechen oder gar zu zerbrechen. Letztlich führen alle drei Methoden zum Ziel.

Noch wichtiger als die beiden vorangegangenen Punkte ist aber, dass die Digitalisierung jeden Einzelnen betrifft. Es spielt schlicht keine Rolle, ob man sich dafür interessiert oder nicht, ob man Germanistik oder Informatik studiert hat, ob man Gärtner oder Unternehmensberater ist oder welche persönlichen Neigungen man hat. Das alles ist egal. Die gesellschaftliche Entwicklung per se sollte einem hingegen nicht egal sein, denn die Hypervernetzung birgt auch die Gefahr, dass sich eine neue, in zwei Klassen gespaltene, Gesellschaft konstituiert – auf der einen Seite die Digitalisierten, die aufgrund der neuen technologischen Möglichkeiten natürlich in allen Lebensbereichen einen Vorteil haben werden, gegenüber der anderen Seite, die sich der Entwicklung zu entziehen versucht oder diese gar bekämpft.

Früchte der Lektüre

Die Ausführungen der Wissensfabrik vermag ich hier nicht wiederzugeben und das wäre auch nicht zielführend. Daher werde ich an dieser Stelle auch nur kurz zu einigen Punkten, die mir wichtig erscheinen, etwas schreiben. Ich werde nachfolgend insbesondere einige Textstellen zitieren, von denen ich glaube, dass die jeweiligen Kontexte in der Zukunft vor allem von Geistes- und Sozialwissenschaftler besetzt werden könnten. Ihr wiederum setzt vielleicht ganz andere Schwerpunkte beim Lesen. So oder so bin ich sehr an Eurer Rezeption interessiert.

Im Kontext der Kenntnisse der relativen Vorteile von Menschen gegenüber Maschinen ist mir insbesondere der folgende Abschnitt aufgefallen:

Ein Arzt wird nie sämtliche Krankheitsgeschichten des Planeten kennen, für eine Maschine ist das kein Problem. Umgekehrt zeichnen sich die Menschen gerade durch ihre vermeintlichen Schwächen aus. Sie sind irrational, verspielt, emotional und unberechenbar. Das macht uns Menschen kreativ und befähigt uns, Dinge neu zu sehen. Wenn man die menschlichen Vorteile in Kompetenzen abbilden will, fallen besonders die fein-handwerklichen Fähigkeiten sowie kreative und soziale Intelligenz auf.

Diesbezüglich werden die menschlichen Fähigkeiten in Zukunft noch wichtiger sein als heute und hier können insbesondere Vertreter meiner Zunft Ihre Stärken ausspielen:

Um auszubrechen und Neues zu erfinden, braucht es zufällige Begegnungen und Einfälle, das emotionale Erfassen des Gegenübers, das Fragen und kritische Hinterfragen.

Auch beim Thema der digitalen Arbeitsumgebung können Absolventen jenseits der MINT-Fächer mit Ihren erlernten Kompetenzen punkten:

Im Kontext der Hypervernetzung findet Wertschöpfung in erster Linie durch das Sammeln, Austauschen, Bewerten und Inszenieren von Gedanken, Wissen und Daten statt. Die digitale Wirtschaft ist ein Wettbewerb der Ideen, wobei Innovation aus der Fähigkeit resultiert, bestehendes Wissen zu kombinieren.

Sehr motivierend finde ich auch die vermutete und sehr wahrscheinlich steigende Flexibilisierung der Berufsbilder:

Durch die Flexibilisierung und die Notwendigkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit wandeln sich Berufe, Stellen und Tätigkeiten pausenlos – die Jobs der Zukunft gibt es heute noch gar nicht. Wichtiger als der Beruf und die Stelle ist die Fähigkeit, sich anzupassen und verändern zu können. An die Stelle von Kompetenzmodellen treten Kompetenz-Portfolios.

Betrachtet man die vorangegangenen Punkte, so ergeben sich zwangsläufig auch Veränderungen der  Arbeitskultur und damit eine neue Einschätzung der Wissensarbeit. Das folgende Zitat ist mir ins Auge gestoßen, da vermutlich jeder, der primär mit Maus und Tastatur arbeitet, das Gefühl kennt: Man hat den ganzen Tag gearbeitet, aber irgendwie ist davon (noch) nichts sichtbar:

Wissensarbeit ist anders als die Arbeit mit Holz, Pflanzen oder Schrauben. Zur Unsichtbarkeit gesellt sich die Unendlichkeit der Wissensarbeit.

Die Eingangs erwähnten Gefahren für die Nachhaltigkeit der Gesellschaft von morgen – wenn man sich den Entwicklungen verschließt – fasst das folgende Zitat, wie ich finde, sehr treffend zusammen. Und auch hier sieht man eine neue gesteigerte Bedeutung an geistes- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen avancieren:

Übereffizient wird die dreifache Vernetzung von Technologie, Wirtschaft und Mensch, wenn das System nur aus der ökonomischen Perspektive optimiert wird. Eine zu starke Orientierung am Prinzip der Effizienz kann ein System beschädigen und sogar dessen Überleben infrage stellen.

Einen sehr großen Einfluss auf die künftige Entwicklung der Gesellschaft im Allgemeinen und der Arbeitswelt im Besonderen haben natürlich Unternehmen respektive ihre Führungskräfte.:

Für die alte Welt kämpfen insbesondere jene, die durch den Wandel glauben, etwas zu verlieren. Es sind die mittleren und Top Manager, die ihren Einfluss und ihren Status in Gefahr sehen und sich nicht mit einer flüchtigeren, flexibleren, schnelleren und demokratischeren Zukunft abfinden wollen. Sie machen ihren Einfluss geltend, um sich vor den Veränderungen zu schützen und weil sie glauben, dass Stabilität ein Mittel gegen Veränderung ist. Häufig sind sie im Kern wenig selbstbewusst und noch wenig mit dem digitalen Mindset infiziert.

Wer in der spannenden und herausfordernden Situation ist, Führungskraft zu sein und darüber mehr erfahren möchte, sollte sich vielleicht mal mit Christian Bredlow von Digital Mindset unterhalten.

Und abschließend: Im Artikel erfahrt Ihr außerdem auch, was die Führungskraft von morgen mit DJs gemeinsam hat. Dafür müsst Ihr Euch aber auf die Website begeben:

https://www.wissensfabrik.ch/hypervernetzung/

Vernetzt Euch!

Interessierte der Themen Digitalisierung sowie der künftigen Rolle der Geistes- und Sozialwissenschaften in einer sich verändernden Gesellschaft können sich auf folgenden sozialen Plattformen miteinander vernetzen:

Huciety – Empower Humanities

Wissensfabrik


Digital Mindset

Viel Spaß bei der Lektüre und wenn Ihr dazu Meinungen und Anregungen habt, lasst es mich wissen. Gerne auch auf Twitter unter:

Bildquelle: Gratisography


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Marco Braun

Neu-Berliner. Kreativer Querdenker. Pragmatiker mit Vorliebe für schöne Dinge. Alumni der Universität Bielefeld. Treiber des Herzensprojektes Huciety.

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