Ich als Vertreter der Generation Y Not?

Die Welt umarmen

Über die Generation Y hat man ja in den letzten Jahren viel lesen können. Aber über diese fast schon stigmatisierte Generation möchte ich nicht schreiben. Ich möchte vielmehr meine persönliche Sicht und meine persönlichen Erfahrungen teilen, da ich seit ein paar Monaten an einem Wendepunkt in meinem Leben stehe – zumindest empfinde ich das so.

Etwas plump zusammengefasst, definiert sich die Generation Y dadurch, dass sie gegebene Strukturen hinterfragt und nicht zwingend den Idealen der Vorgenerationen folgt, wie etwa Karriere, Haus, Baum pflanzen etc. Gleichzeitig wird ihr auch eine gewisse Lethargie zugeschrieben, die sich auch in mangelnder Leistungsfähigkeit im Berufsleben manifestiert. Ob dies nun stimmt oder nicht, ist mir ziemlich egal. Mir hilft diese Kategorisierung eher, meine eigene Entwicklung der letzten Monate und vielleicht auch Jahre zu reflektieren.

Mangelnde Leistungsfähigkeit mag ich mir zwar nicht bescheinigen, aber ich konnte mich eine Zeit lang u. A. mit der Verweigerung von Karriere identifizieren. In gewisser Weise ist das auch nach wie vor noch so, aber dies hat sich inzwischen insoweit geändert, dass ich die Verweigerung von Karriere nicht mehr zwingend mit weniger Arbeit gleichsetze. Ich wage nun erste Schritte in die nebenberufliche Selbstständigkeit, betreue mein Herzensprojekt Huciety, rezensiere Bücher und lese allgemein sehr viel. Ich tausche also das klassische Zielbild, das ich ja nie verfolgt habe, nun gegen ein neues Ziel ein: Perspektivische Unabhängigkeit vom Arbeitsmarkt und der Verfolgung und dem Vorantreiben von Themen, die mir wichtig sind und im Idealfall der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Dazu war ich früher jedoch nicht bereit. Schließlich bedeutet dies, lieb gewonnene Gewohnheiten zu ändern und seine Zeit effektiver und effizienter zu nutzen. Kein oder zumindest weniger stundenlanges Serien gucken zum Beispiel. Dabei passierte etwas interessantes: Es macht mir nichts aus. Die Beschäftigung mit den oben genannten Themen fühlt sich nicht wie Arbeit an, da ich intrinsisch motiviert bin. Gleichzeitig konnte ich so zum Beispiel auch meine Liebe zum Schreiben wieder mehr in den Fokus rücken; etwas, dass ich schon verloren geglaubt hatte. So häufen sich nun nach und nach Erfahrungen und Wissen an, die vielleicht später mal viel Wert sein und entsprechend genutzt werden könnten. Eine Investition in mich und die Zukunft. Diese Erkenntnis mag trivial erscheinen, aber für mich ist das etwas völlig neues und war früher undenkbar. Wenn etwas keinen unmittelbaren ökonomischen Gegenwert hatte, habe ich meine Zeit dafür nicht »geopfert« und habe diese lieber für Dinge vertrödelt, die mich nicht weitergebracht haben; und noch wichtiger: mich nicht zufriedener gemacht haben. Dieses Gefühl, hinter den eigenen Möglichkeiten zurückzubleiben, sich im immer gleichen Hamsterrad zu verlieren und irgendwann vermutlich im Sterbebett zurück zu schauen und dann zu bereuen, wurde immer stärker. Dieser Paradigmenwechsel meines eigenen Denkens und Selbstverständnisses hat lange auf sich warten lassen und mit der dadurch neu gewonnenen Energie muss ich erst umgehen lernen. Aber was soll schon schiefgehen?

Erst kürzlich habe ich mir eine Folge des Podcast von Gary Vaynerchuk angehört, die mein neues Denken bestätigt hat und den ich hier für euch eingebunden habe:


Seine eigene Meinung über sich selbst zu ändern, insbesondere die Einstellung zum Leben und zu der Zeit, die man zur Verfügung hat, erfordert viel Mut. Wer gesteht sich schon gerne ein, dass er vielleicht falschen Idealen gefolgt ist oder bisher eher auf dem Holzweg war? Vielleicht ist euer eigenes Resümee, dass alles super ist, wie es ist. Vielleicht aber auch nicht. Letztere werden vermutlich früher oder später darauf herumdenken. Und vielleicht zählt ihr euch dann auch zur Generation Y Not?


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Marco Braun

Neu-Berliner. Kreativer Querdenker. Pragmatiker mit Vorliebe für schöne Dinge. Alumni der Universität Bielefeld. Treiber des Herzensprojektes Huciety.

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