Ulysses: Einfach ablenkungsfrei schreiben

Ein Blick hinter die Kulissen: In diesem Beitrag stelle ich den Texteditor Ulysses vor, der zum Entstehen dieses Textes beigetragen hat. Wieso ich Ulysses nutze und welche Funktionen mir meine Schreibarbeit erleichtern, soll Thema dieses Blogeintrags sein.

Einfachheit als Philosophie

Ich wollte nicht mehr im WordPress-Editor schreiben, da dieser meiner Meinung nach zu sehr vom Wesentlichen – nämlich dem Schreiben – ablenkt. Ich bin schon vor einiger Zeit, noch bevor ich diesen Blog aufgesetzt hatte, über zahlreiche Artikel im Netz auf Ulysses aufmerksam geworden.

Die Grundidee hinter Ulysses ist, dass man sich schlicht auf den Schreibprozess und seinen Text konzentriert und nicht ständig von den vielen Formatierungs- und Einstellungsmöglichkeiten, wie sie bei gängigen Texteditoren wie Word oder Pages zu finden sind, abgelenkt wird. Formatiert wird nur mit schnell zu erlernenden Markdown.

Sicherlich empfindet das nicht jeder so und ich bin auch nicht der Meinung, dass man mit WordPress oder Word keine vernünftigen Texte schreiben kann; im Gegenteil. Ich glaube aber – wie bei vielen Dingen im Leben – dass eine gewisse Einfachheit verbunden mit Ästhetik ein erstrebenswerter Zustand ist.

Es ist letztlich also auch eine Philosophiefrage. Einfachheit und Fokus haben letztlich auch zur Entscheidung der Macher geführt, dass Ulysses nur für Mac OS und iOS zur Verfügung steht; man möchte sich derzeit auf die Plattformen konzentrieren, die man einerseits sehr gut kennt und andererseits zur Philosophie von Ulysses passen.

Die Benutzeroberfläche

Die Benutzeroberfläche besticht mit ihrer Einfachheit und sieht trotzdem sehr gut aus. Offenbar sehe nicht nur ich das so: Ulysses hat 2016 den Apple Design Award gewonnen.

Die Benutzeroberfläche von Ulysses

Die Benutzeroberfläche von Ulysses

Bibliothek

Ulysses ist in drei Bereiche aufgeteilt. Ganz links findet man die Bibliothek, die alle Daten enthält und über Gruppen und Untergruppen Ordnung in die geschriebenen Werke bringt. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu Word und anderen Schreibprogrammen ist, dass es keine Dateien, keine Öffnungsdialoge, keine Speicherdialoge und ähnliches gibt. Sie sind auch nicht notwendig. Texte werden auf einzelnen Blättern verfasst und fortlaufend bei Veränderungen automatisch gespeichert. Durch die Bibliothek ist alles an einem Ort und sofort abrufbar.

In der Bibliothek lassen sich auch Filter anlegen, die etwa nach Tags oder Text filtern können. In meinem Fall markiere ich beispielsweise alle Texte, die im Entstehungsprozess sind, mit dem Tag In Progress. Dieses Tag habe ich auch als Filter angelegt. Ein Klick und über alle Gruppen und Untergruppen hinweg werden mir sämtliche Texte angezeigt, die noch etwas Zuwendung brauchen.

Blätter

Der mittlere Bereich zeigt alle Blätter innerhalb einer Gruppe oder Untergruppe an. Diese lassen sich nach folgenden Kriterien sortieren:

  • Manuell sortieren
  • Nach Name
  • Nach Änderungsdatum
  • Nach Erstellungsdatum

Editor

Der Editor ist das Herzstück von Ulysses. Hier gilt es, der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen. Mithilfe von Markdown lässt sich der Text schnell und einfach strukturieren, ohne dass man die Hand von der Tastatur nehmen muss. Keine Formatierungsleiste schreit »probier doch mal diese oder jene Formatierung aus«. Die Schriftart Comic Sans kann also getrost in der Schublade bleiben.

Einige Einstellungen sind natürlich trotz aller Einfachheit notwendig, um den Editor auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Danach kann und sollte man diese aber beiseite schieben und vergessen. Ich beschränke mich bei den Ausführungen auf meine favorisierten Funktionen.

Zur Zeit nutze ich den Schreibmaschinen-Modus. Dieser sorgt dafür, dass die Zeile, in der ich aktuell schreibe, immer auf der gleichen Höhe bleibt und nicht nach unten wandert. Darüber hinaus habe ich noch die Option aktiviert, dass die aktive Zeile hervorgehoben wird. Für Puristen lässt sich sogar noch bestimmen, ob nur die aktuelle Zeile, der aktuelle Satz oder der aktuelle Absatz hervorgehoben und der Rest dazu abgedunkelt werden soll.

Aktivierung des Schreibmaschinen-Modus

Aktivierung des Schreibmaschinen-Modus

Wie man unschwer erkennen kann, nutze ich zudem den Dunklen Modus, da ich ihn als sehr augenfreundlich empfinde und zudem meist zu fortgeschrittener Stunde schreibe.

Eine weitere nützliche Funktion ist die Möglichkeit, alle drei zuvor geschilderten Bereiche, nur die Blätter und den Editor oder ausschließlich den Editor einzublenden. Über Shortcuts sind diese Darstellungsoptionen zudem schnell zur Hand.

Auch wenn die Oberfläche sehr aufgeräumt und schlicht daherkommt, stecken einige mächtige Funktionen unter der Haube.

Lieblingsfunktionen

Alle Funktionen hier aufzulisten würde einerseits zu weit führen und andererseits habe ich vermutlich noch nicht mal alles ausprobiert. Daher stelle ich nachfolgend einmal meine Lieblingsfunktionen kurz vor.

Export zu WordPress

Eine relative neue Funktion von Ulysses ist auch einer der ausschlaggebenden Gründe, warum ich mich letztlich für Ulysses als Schreibumgebung entschieden habe. So ist es mit wenigen Klicks möglich, einen geschriebenen Artikel direkt in den WordPress-Editor zu importieren. Dies funktioniert sowohl mit Blogs, die auf WordPress.com gehostet werden als auch mit Instanzen, die auf eigens angemieteten Servern gehostet werden – so wie im meinem Fall. Für mich schlicht ein Killerfeature, das meinen Schreib- und Publishingprozess ideal unterstützt:

  1. Ideen sammeln, Recherche, Schreiben und Feinschliff in Ulysses
  2. Letzte Anpassungen mittels WordPress-Plugins, Verschlagwortung, Zuweisung der richtigen Kategorien etc. in WordPress selbst
  3. Artikel veröffentlichen
Arbeitserleichterung: Der WordPress-Export

Arbeitserleichterung: Der WordPress-Export

Alternativ ist es auch möglich, den Artikel direkt aus Ulysses heraus nicht nur in WordPress zu importieren, sondern auch gleichzeitig zu veröffentlichen. Auch Schlagworte und Kategorien lassen sich schon beim Export festlegen. Dies nutze ich ebenfalls, aber ich bin trotzdem ein Freund davon, innerhalb von WordPress einen letzen Blick auf alles zu werfen und erst dann den Artikel zu veröffentlichen.

Diese Flexibilität ist auch eine Eigenschaft von Ulysses, die mir sehr gefällt: Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, den Editor zu benutzen. Für jedes Nutzungsverhalten gibt es in der Regel eine Möglichkeit der Realisierung.

Export in weitere Formate

Der große Vorteil an Lösungen wie Ulysses ist natürlich, dass der Text in einem einfachen Format vorgehalten wird. Dieser lässt sich anschließend nicht nur nach WordPress exportieren, sondern auch in alle gängigen Dateiformate für Text und Multimediainhalte. Hierzu zählen:

  • Text (Plain und Rich Format)
  • Markdown
  • HTML
  • ePub für eBooks
  • PDF
  • DOCX für den Export nach Word, LibreOffice etc.
Die Exportmöglichkeiten von Ulysses

Die Exportmöglichkeiten von Ulysses

Bevor das Dokument final exportiert werden soll, kann man sich zudem eine Vorschau des Dokuments im entsprechenden Format anschauen. An dieser Stelle besteht die Möglichkeit, aus mehreren Stilen zu wählen, die durch weitere Stile aus dem Internet ergänzt werden können.

Synchronisierung über iCloud

Eine Funktion, die für mich nicht mehr wegzudenken ist, ist die reibungslose Synchronisierung über iCloud. Sie sorgt dafür, dass ich von überall aus auf die Daten zugreifen kann.

Manchmal bin ich unterwegs und habe das MacBook nicht zur Hand, aber das iPhone ist immer dabei. Manchmal auch das leichtgewichtige iPad. So oder so sind meine Texte sofort zur Hand, wenn ich gerade eine Idee für einen Blogeintrag skizzieren will oder einen Einfall für die Ergänzung eines bereits entstehenden Eintrags habe.

Ich kann überall schreiben und alles bleibt automatisch auf allen Geräten auf dem neuesten Stand. Keine Konflikte zwischen Dateien auf verschiedenen Geräten und Rätselraten, welche Version denn jetzt tatsächlich die aktuellste ist. Es funktioniert einfach.

Dank iCloud-Synchronisierung überall schreiben

Dank iCloud-Synchronisierung überall schreiben

Sicher ist sicher: das Backup

Jeder kennt Horrorgeschichten von Menschen, die plötzlich eine wichtige Datei nicht mehr öffnen konnten oder sich anderweitig die Arbeit von Stunden oder Tagen zunichte gemacht haben. Die Backup-Funktion von Ulysses soll genau dies verhindern. Einfach den Schieberegler in den Einstellungen aktivieren und anschließend braucht ihr euch nie wieder damit befassen – außer der Ernstfall tritt ein.

Auf der sicheren Seite: Die Backup-Funktion

Auf der sicheren Seite: Die Backup-Funktion

Wer glaubt, das war schon alles, der irrt. Wer einen Gesamtüberblick aller Funktionen haben möchte, sollte sich diese Auflistung einmal näher anschauen.

Bezahlmodell

Ulysses ist nicht kostenlos, lässt sich aber 14 Tage lang auf allen Apple-Geräten kostenlos und vollumfänglich testen. Vor kurzem haben die Macher des Programms von einem Fixpreis auf das nicht unumstrittene Abomodell umgestellt und mussten dafür auch viel Kritik auf Facebook und einigen Blogs einstecken. Auch ich hatte Ulysses noch zum Fixpreis erworben – wohlwissend, dass ich bei einem Major-Update natürlich wieder zur Kasse gebeten werde. Damit habe ich grundsätzlich kein Problem, jedoch musste auch ich erst darüber nachdenken und für mich persönlich bewerten, was mir die Software wert ist.

Da ich zu den Bestandskunden gehöre, konnte ich Ulysses für 29,95 € statt für 39,95 € im Jahr erwerben. Diese Vergünstigung gilt übrigens ein Leben lang. Dies war einer der Gründe, warum ich mich letztlich dann dafür entschieden habe. Darüber hinaus gaben insbesondere folgende Überlegungen den Ausschlag:

  1. Für den Preis eines Kaffees im Monat bekomme ich eine Software, die ich sehr schätzen gelernt habe und mir Freude bereitet.
  2. Früher musste man die iOS-Version extra erwerben. Durch den Umstieg auf das Abo-Modell ist iOS nun im Preis inkludiert.
  3. Ich unterstütze die Entwicklung und leiste meinen Beitrag dazu, dass Ulysses nachhaltig weiterentwickelt werden kann.
  4. Der vorangegangene Punkt ermöglicht den Entwicklern, weiterhin unabhängig von Großunternehmen das Produkt weiterzuentwickeln
  5. Ich bin prinzipiell der Meinung, dass gute Software Geld kosten muss, um qualitativ hochwertig angeboten werden zu können. Ich selbst arbeite ja auch nicht umsonst.
  6. Bei einem Major-Update alle 1-2 Jahre würde der Upgrade-Preis nicht viel geringer ausfallen.

Letztlich muss dies natürlich jeder für sich entscheiden. Niemand muss Ulysses nutzen und es gibt durchaus attraktive Alternativen auf dem Markt. Für mich passt das Produkt aber sehr gut zu meinen Schreibgewohnheiten und mir macht das Schreiben in dem Editor einfach Spaß.

Fazit

Es ist bereits sehr deutlich geworden, dass ich von Ulysses begeistert bin. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal ein zahlender Kunde eines auf Einfachheit ausgelegten Texteditors werde. Das Gesamtkonzept mit seinen Annehmlichkeiten hat mich dann aber letztlich überzeugt.

Ich bin immer wieder überrascht, welch gewaltigen Unterschied für mich persönlich die Arbeit in dieser cleanen Arbeitsoberfläche im Vergleich zum recht überladenen WordPress-Backend macht. Die Oberfläche lässt sich vielfach auf die eigenen Wünsche anpassen, sodass für jeden Geschmack etwas dabei sein dürfte. Das aufgeräumte User Interface ist modern und optisch ansprechend. Ermüdungserscheinungen wird in meinen Augen erfolgreich entgegengewirkt.

Preislich ist das Produkt sicherlich nicht für Menschen geeignet, die hin und wieder mal eine Einkaufsliste notieren wollen. Ulysses richtet sich an Vielschreiber, die auf der Suche nach einem Ort sind, an dem sie alle Texte sicher und aufgeräumt hinterlegen können. In den AppStore-Rezensionen finden sich beispielsweise einige Fälle, in denen Autoren all ihre gesammelten Werke in Ulysses importiert haben.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann das es weitere Formatierungsmöglichkeiten für technische Dokumentationen gibt. Tabellen lassen sich beispielsweise nur etwas umständlich über eine Variation von Markdown einbinden. Ich werde dies auf jeden Fall einmal anregen.

Von mir bekommt Ulysses eine klare Kaufempfehlung und ich bin bereits sehr gespannt, mit welchen Neuerungen und Verbesserungen der Editor in Zukunft ausgestattet wird.

Viel Spaß beim Ausprobieren! Wenn ihr ebenfalls Erfahrungen mit Ulysses gemacht habt oder weitere Tipps auf Lager habt, dann kommentiert gerne diesen Artikel.

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Bildnachweis: Ulysses GmbH & Co. KG und eigene Quelle


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Marco Braun

Neu-Berliner. Kreativer Querdenker. Pragmatiker mit Vorliebe für schöne Dinge. Alumni der Universität Bielefeld. Treiber des Herzensprojektes Huciety.

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