Weiterbildungsoption Codecademy

Programmieren auf einer Bank

Weiterbildung kann spannend sein. Weiterbildung kann nervig sein. Das hängt zum einen von der Thematik ab, aber auch von der eigenen Einstellung. Ersteres kann man sich nicht immer aussuchen, aber letzteres liegt in jedem Fall bei einem selbst. Die richtigen Hilfsmittel können dazu einen positiven Beitrag leisten.

Wozu sich weiterbilden?

Aber gehen wir mal einen Schritt zurück. Man könnte ja durchaus auf den folgenden Gedanken kommen: »Ich war zwölf oder dreizehn Jahre in der Schule. Ich habe danach noch ein Studium absolviert und dazwischen eventuell sogar noch eine Ausbildung gemacht. Das sollte doch an Bildung so langsam mal reichen?!«. Darauf habe ich natürlich keine allgemein gültige Antwort. Pauschal kann man denke ich sagen, dass vieles, was wir gelernt haben, in der Zwischenzeit gen Äther geflogen ist; weil es beispielsweise kurz vor der Prüfung gelernt wurde und somit nicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben konnte. Vielleicht war das Thema auch nicht so spannend oder wurde nicht spannend vermittelt. Darüber hinaus ist Wiederholung der Schlüssel für nachhaltiges Wissen. Oder wisst Ihr noch, wie viele Elemente das Periodensystem hat? Ich auch nicht. Die Zeitspanne, die wir in Institutionen des Bildungsapparates verbracht haben, sagt also erst einmal rein gar nichts über die tatsächlich vorhandenen Kompetenzen aus.

Erkenntnisse ändern sich zudem im Verlauf der Zeit. Die Forschung steht niemals still. Jeden Tag weiß die Menschheit mehr und verwirft frühere Erkenntnisse. Wissen ist also nicht starr,  sondern Änderungen unterworfen. Gefühlt jedes Jahr ändert sich beispielsweise die Erkenntnis, ob Kaffee nun gesund und ein Wundermittel ist oder doch eher schädlich.

Was ebenfalls nicht zu verachten ist – und insbesondere Geisteswissenschaftler werden das kennen – ist der Umstand, dass man in Bildungseinrichtungen in der Regel eher allgemein ausbildet wird. Das gilt insbesondere für Universitäten, aber in Schulen ist das natürlich nichts anderes. In der Schule wird darüber hinaus noch das Gießkannenprinzip angewandt und folglich versucht, so viel Wissen in die Köpfe zu bringen, wie irgend möglich. Selbst an der Universität kann man seit der Bolognareform diese Tendenzen der »Verschulung« beobachten, sprich alle lernen das Gleiche im standardisierten Tempo.  Auch wenn diese Tendenzen alle Disziplinen betreffen, so wird gerade in geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengängen nicht nur das Faktenwissen vermittelt, sondern insbesondere auch das Methodenwissen. Analytische Fähigkeiten werden geschult und gefördert, sodass das selbstständige Denken und kritische Hinterfragen im Vordergrund steht. Eine sehr wertvolle Fähigkeit.

Der Vorteil an einer allgemeinen Ausbildung kann aber auch gleichzeitig zum Hindernis werden. Geistes- und sozialwissenschaftliche Studiengänge bereiten nicht auf bestimmte Berufe vor; das sollen sie auch nicht. Meine subjektive Wahrnehmung besagt, dass die größte Übereinstimmung von den erworbenen Kompetenzen im akademischen Betrieb und den von Arbeitgebern geforderten Kompetenzen für Absolventen besagter Fachrichtungen im klassischen Kultur- und Bildungsbetrieb herrscht. Strebt man nun aber eine andere Laufbahn an – so ist meine Erfahrung – ist man gut beraten, wenn man sich selbstständig zusätzliche Qualifikationen aneignet. Für Berufe mit digitalen Berührungspunkten, lassen sich erste Grundkenntnisse verschiedener Webtechnologien bei Codecademy erlernen.

Codecademy als Einstieg in Webtechnologien

Es gibt eine unendliche Anzahl an E-Learning-Angeboten im Netz und je nachdem, was man lernen möchte, gibt es natürlich mittlerweile dedizierte Plattformen oder eher Plattformen, die fast alles anbieten. Mit der Zeit werde ich mir weitere Plattformen anschauen, heute soll es jedoch kurz um Codecademy gehen. Auf Codecademy bin ich vor ein paar Jahren gestoßen. Die Plattform richtet sich an Menschen – wie der Name erahnen lässt – die sich mit dem Programmieren beschäftigen möchten. Ich vermute mal, dass spätestens hier die Ersten aussteigen, insbesondere, wenn sie eher aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommen. Ich möchte dennoch den Versuch wagen, zu erläutern, warum ich glaube, dass gewisse Grundkenntnisse in diesem Bereich zumindest nicht schaden können.

Um es vorweg zu nehmen: Ich kann nicht entwickeln, ich habe mir aber mehrere Programmiersprachen angeschaut und damit ein wenig rumgespielt. Im eingeschränkten Rahmen bin ich also durchaus in der Lage, Codeschnipsel zu lesen und zu verstehen, was dort passiert. Doch warum sollte man sich damit befassen? Erstens ist die Digitalisierung ein Teil unseres Lebens und wird in immer mehr Lebensbereiche Einzug erhalten. Diesbezüglich kann ich einen Artikel empfehlen, in dem es unter anderem um die folgenden philosophisch-rechtliche Fragen geht:

Zweitens wird es auch im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich immer wichtiger, mit Programmen umzugehen, die entsprechend beherrscht und zum Teil eben auch mit Befehlen gefüttert werden wollen. Insbesondere im Bereich der Digital Humanities kann man diese Entwicklung derzeit sehr gut beobachten. Und drittens schult der Umgang mit Code auch das Denken. Programmieren vermittelt einen anderen Blick auf die Art und Weise, wie Probleme gelöst werden können. Ich bemesse diesem Punkt besondere Bedeutung bei. Es geht wie gesagt nicht darum, der nächste Mark Zuckerberg zu werden. Aber das Konzept an sich ist sehr spannend und hilft auch dann im späteren Berufsleben weiter, wenn keine Programmierkenntnisse vorausgesetzt werden.

Nehmen wir einfach mal mein persönliches Berufsbild des Produktmanagers oder auch Projektmanagers. Als ich noch im Verlag gearbeitet habe und das Produkt Websites betreut habe, war es durchaus von Vorteil, wenn man wusste, wie diese funktionieren, welche Möglichkeiten es gibt und welche aktuellen technischen Entwicklungen zur Verbesserung des Produkts beitragen können usw. Es geht dabei gar nicht darum, bis ins Detail diese Seite bauen zu können, aber das Lesen von Auszeichnungssprachen wie HTML – die ja von Menschen sehr gut lesbar ist – sollte auch nicht den gleichen Effekt haben, als wenn dort Mandarin stehen würde. Darüber hinaus ist man als Produktmanager eine Art Schnittstelle zwischen der eigentlichen Entwicklung und dem Kundenservice / Verkauf. So ist es notwendig, dass man sich mit den Entwicklern darüber austauschen kann, was man sich vorstellt und wie dies realisiert werden könnte. Auf der anderen Seite muss man dies dann wiederum so an den Kundenservice / Verkauf vermitteln können, dass es nicht wie das nächste Mars-Projekt klingt, sondern einfach und verständlich ist.

Bevor ich aber zu sehr abschweife, lasst uns zum eigentlichen Kern zurückkommen. Ich erwähnte zuvor, dass ich selbst etwas mit Code herumgespielt habe und es das Verständnis diesbezüglich fördert. Viel mehr vermag Codecademy in meinen Augen auch im ersten Schritt nicht zu vermitteln. Es ist durchaus anspruchsvoll, aber soll primär einen Einblick in verschiedene Programmiersprachen und Webtechnologien vermitteln. Je nach Kenntnisstand ist natürlich für Jeden etwas anderes interessant, aber ich denke für den Anfang wären die folgenden Themen durchaus einen Blick wert:

  • HTML und CSS als Basistechnologien für Websites
  • Javascript als Einstieg ins Programmieren
  • Python als vielseitige Programmiersprache
  • SQL zum Erstellen und Verwalten von Datenbanken

Codecademy lässt sich grundsätzlich kostenlos nutzen. Vor kurzem kam eine Bezahloption hinzu, die zusätzliche Inhalte für $19.99 / Monat anbietet. Man bekommt dann unter anderem einen personalisierten Lernplan, Zugang zu Quiz, Projekten usw. Ich selbst nutze nur die kostenlose Option, da diese derzeit für meine Bedürfnisse ausreicht.

Funktionsweise von Codecademy

Viel zu sagen gibt es zur Funktionsweise genau genommen nicht, da es recht einfach aufgebaut ist. Man wählt auf der Website einen für sich passenden Kurs und landet dann in der eigentlichen Benutzeroberfläche. Diese ist in der Regel in drei Teile gegliedert. Links ist die Aufgabenstellung mit Erklärungen, Codeschnipseln und auch Hinweisen / Lösungen (falls man nicht weiterkommt) aufgeführt. In der Mitte befindet sich der Codeeditor, in dem die zur Aufgabenstellung passenden Codeschnipsel geschrieben werden. Hat man diese fertig eingegeben, kann man diese mit Klick auf einen Button ausführen. Bei Erfolg wird rechts in der Ausgabe das Ergebnis der Bemühungen ausgegeben. Sollte sich ein Fehler in den Code eingeschlichen haben, so bekommt man eine entsprechende Meldung mit einem Hinweis, woran es liegen könnte. Sollte man nicht auf die Lösung kommen, so gibt es in der Regel, wie erwähnt, auf der linken Seite die Möglichkeit, sich die Lösung anzeigen zu lassen. Sobald die Aufgabe gelöst wurde, kommt man zur nächsten und immer so weiter. Man kann jederzeit auch zu vorherigen Aufgaben zurückspringen, wenn man nochmal etwas nachlesen will. Die Fortschritte werden im eigenen Account gespeichert, sodass nichts verloren geht und man kann somit überall auf der Welt von jedem Gerät aus loslegen.

Meine Meinung

Spielt mit dieser oder anderen Plattformen herum. Wenn Ihr merkt, dass Ihr Interesse an diesen Technologien entwickelt, dann ist das ein weiterer Schritt in Richtung Selbstverwirklichung. Wenn es nichts für Euch ist, habt Ihr auch eine weitere Erkenntnis gewonnen, die besagt, dass Ihr Euch einfach weiter nach interessanten Themengebieten umschauen solltet. Erlaubt mir diesbezüglich noch eine kleine Anekdote: In jungen Jahren habe ich den Versuch gewagt, eine handwerkliche Ausbildung zu machen. Nach sechs Monaten habe ich dann alles hingeschmissen, weil ich gemerkt habe, dass das einfach nicht das ist, was ich machen will. Und auch wenn ich dadurch trotzdem nicht genau wusste, was ich wollte, so hat diese Erfahrung mich trotzdem weiter gebracht. Wenn Ihr es versucht, verliert Ihr eventuell etwas Zeit, aber so oder so seid Ihr um eine wertvolle Erkenntnis reicher!

Falls Ihr eigene Erfahrungen mit Codecademy oder anderen Plattformen gemacht habt, lasst es mich gerne im Kommentarbereich wissen.

 

Bildquelle: Pixabay


Also published on Medium.

Marco Braun

Neu-Berliner. Kreativer Querdenker. Pragmatiker mit Vorliebe für schöne Dinge. Alumni der Universität Bielefeld. Treiber des Herzensprojektes Huciety.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.