Die lange Blog-Pause

Der Schuldige

Uff, ein Jahr ist es schon her, dass ich meinen letzten Post verfasst habe. Obwohl ich den Blog nur zum Spaß betreibe, um meine Gedanken aufzuschreiben, fühle ich mich dennoch irgendwie schuldig.

Natürlich hatte ich auch in diesem Jahr zahlreiche Gedanken und ich habe sie auch hier und da kurz niedergeschrieben; aber für einen fertigen Post nahm ich mir dann dennoch nie die Zeit.

Ich muss gestehen, dass ich mir zum Teil unsicher bin, wie viel Persönliches ich in meine Posts einfließen lassen soll. Natürlich kann ich auch rein objektiv über Themen schreiben, die mich interessieren. Jedoch ist dieser ganze Blog sehr subjektiv, da er auf meinen Erfahrungen und Gedanken aufbaut und viele Posts würden ohne persönliche Note das Grundkonzept dieses Blogs ad absurdum führen.

Egal, von welcher Seite man es auch betrachtet: ich war jedenfalls nicht untätig. Seit dem Juni letzten Jahres ist viel passiert und ich habe viele neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln können. Dazu im Folgenden nun mehr.

Der Autodidakt

Seit ich im November 2017 an der Google Developer Challenge teilnahm, bin ich bezüglich des Programmierens tatsächlich mehr oder weniger am Ball geblieben. Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen (schließlich brauche ich das Material für künftige Posts 😉 ), habe ich mich insbesondere mit folgenden Themen beschäftigt:

Und ich muss sagen: es läuft ganz gut, auch wenn es zum Teil an den Nerven zehrt. Diejenigen, die meinen Werdegang kennen, würden jetzt vielleicht einwerfen, warum ich das überhaupt mache, da ich ja eigentlich keinen technischen Hintergrund habe.

Zum einen stimmt das nur bedingt. Ich habe beispielsweise als Jugendlicher meinen zweiten Computer selbst zusammengestellt und zusammengebaut – mit Wissen, dass ich mir angelesen hatte. Und ja, er funktionierte sogar. Darüber hinaus war ich an einem technischen Gymnasium, in dem wir uns – nun ja – unter anderem mit Technik beschäftigt hatten: Datenbanken, Logikschaltungen, Netzwerktechnik und auch Programmieren. Meine Programmierkenntnisse waren zu dem Zeitpunkt offen gesagt aber mehr als dürftig.

In der Uni ging es nach Germanistik und Sozialwissenschaften im Bachelor mit dem Masterstudiengang Interdisziplinäre Medienwissenschaft wieder weiter mit Medien bezogenen Themen, zu denen auch das Programmieren mit Python gehörte. Dieses Mal war ich interessierter, aber auch hier konnte ich mich nicht wirklich lange dafür begeistern. Anderes war mir zu diesem Zeitpunkt wichtiger und der innere Schweinehund wollte einfach keine Ruhe geben.

Zum anderen – um nun den großen Bogen zu schließen – hat es mich immer gestört, nicht Programmieren zu können. Ich kann gar nicht genau sagen, wieso eigentlich. Irgendwie habe ich irgendwann für mich definiert, dass ich es eines Tages lernen will, um die heutige Welt besser zu verstehen. Darüber hinaus wollte ich es nicht nur »den Anderen« überlassen, Neues zu erschaffen.

[Photo by BIQTO from Pexels]

Lebenslanges Lernen kann einschüchternd sein.

Programmieren zu lernen ist für mich die Erfüllung eines Traums ohne unmittelbares Ziel. Ich gehöre zu den Menschen, die sich recht schnell langweilen, wenn sie keine Herausforderungen im Leben haben. Und eines kann ich mittlerweile sagen: Programmieren ist die ultimative Herausforderung. Zudem ist es bestens für Autodidakten wie mich geeignet, da es eine unzählbare Anzahl an Tutorials, Artikeln, Büchern, Bootcamps, Meetups und so weiter gibt. Es ist toll, in diesen modernen Zeiten zu leben.

Auch wenn ich keinen Masterplan verfolge, so glaube ich, dass das Programmieren eine wichtige Fähigkeit ist, die man zumindest ansatzweise erfahren und verstanden haben sollte, wenn man im Technologiebereich arbeitet – selbst, wenn man dort nicht aktiv Software entwickelt. Ohne diese Fähigkeit wäre ich schlicht nicht in der Lage, effizient zwischen Developern und den Stakeholdern zu vermitteln. Ich muss sowohl verstehen als auch kommunizieren können, warum es zu Problemen und Verzögerungen bei der Softwareentwicklung kommen kann. Ich muss einschätzen können, was wirklich wichtig ist und was nicht, um die Prioritäten bezüglich der Arbeitspakete vorgeben zu können. Wie gesagt, das ist meine persönliche Auffassung, die nicht jeder teilen muss – ich habe diesen Anspruch an mich gesetzt und handele danach.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass ich nun ab und zu klitzekleine Versuche unternehme, hier und da wieder etwas Mathe und Algorithmen in mein Leben zu lassen. Für Webanwendungen braucht man diese zwar selten bis gar nicht, aber wenn man ein besserer Entwickler werden will, sollte man das ein oder andere zumindest schon mal gehört haben. Hier stehe ich aber noch am Anfang.

Bei Interesse findet ihr mich übrigens hier auf GitHub.

Der Wandelbare

Kurz nach dem letzten Artikel vom letzten Jahr bekam ich die Möglichkeit in einem anderen Unternehmen als Projektleiter in der Softwareentwicklung zu arbeiten. Für mich war dies ein logischer Schritt, da ich bereits im vorangegangenen Unternehmen als Produktmanager immer tiefer in technologische Themen eingetaucht bin.

Man muss auch über sich selbst lachen können...

Man muss auch über sich selbst lachen können…

Ich bin sehr dankbar für diese Gelegenheit. Zum Ende meines Germanistik-Studiums hatte ich mich bereits in jahrelangen prekären Beschäftigungsverhältnissen gesehen und bin zuweilen selbst total erstaunt, was sich seitdem alles geändert hat – und wie ich mich selbst verändert habe. Meine ganz persönliche digitale Transformation ermöglicht mir, sukzessiv immer neue Themengebiete zu erschließen und zu verstehen. Da ist es schon ein wenig ironisch, dass mein offizieller Jobtitel derzeit Transformation Lead lautet.

Der Fokussierte

Meine Dankbarkeit und Demut hat mich auch noch nachdenklicher werden lassen, als ich es sowieso schon immer war.

Die Reflexion meines Weges, der im Hier und Jetzt mündet, hat mich erkennen lassen, dass ich viel kostbare Lebenszeit und Energie auf Dinge verschwendet habe, die es objektiv betrachtet nicht wert sind. Ich habe irgendwann gegen Ende des letzten Jahres erkannt, wie sehr mich all die negativen Nachrichten, ungelesenen Newsletter, Push-Notifications, Facebook und Co. immer mehr ablenken und – ich muss es leider so ausdrücken – anwidern.

Sie rauben mir Energie und Zeit. Zeit, die ich sinnvoller nutzen kann. Und damit meine ich nicht zwingend andauernde Selbstoptimierung, die ab einem gewissen Grad auch sehr krank machen kann. Ich meine damit die wertvollen Minuten und Stunden, die man mit Menschen verbringt, die einem wichtig sind. Ich meine damit die Augenblicke, in denen man einfach nur so dasitzt und die Gedanken treiben lässt. Ich meine die Momente, in denen man einfach nur allein und für sich ist. Ich meine damit alles, was nicht optimiert und letztlich also menschlich ist.

Was war nun die Konsequenz aus dieser Erkenntnis? Ich habe angefangen, nach und nach Newsletter abzubestellen, die ich eh nie lese. Push-Notifications erlaube ich nur noch für bestimmte Themen und auch nur für bestimmte Apps. Man kann auch einen Schritt weitergehen und dedizierte Apps nutzen, um sich automatisiert einzuschränken; das wäre für mich persönlich aber zu viel des Guten.

WhatsApp habe ich beispielsweise so eingestellt, dass ich es aktiv öffnen muss, um zu sehen, was in Gruppen geschrieben wurde. Einzel-Chats kommen aber immer noch als Push-Notification. Facebook war früher meine Hauptquelle für Nachrichten. Ich bin mittlerweile wieder oldschool auf RSS-Apps umgestiegen und abonniere über den Dienst Feedly die Seiten, die mich interessieren. Allerdings hat sich auch hier zu viel angesammelt, sodass ich mal wieder ausmisten muss (das müssen diese tollen Zeiten sein, von denen ich anfangs sprach). Facebook nutze ich seitdem eigentlich nur noch, um potentiell mit Menschen in Kontakt bleiben zu können und wenn ich meinen Blutdruck nach oben korrigieren möchte.

Ich muss sagen, für mich funktioniert es. Ich fühle mich weniger gestresst, bleibe trotzdem gut informiert und habe zudem keine Filterblase aka Facebook-Algorithmus, der für mich zumindest zum Teil das Denken übernommen hatte.

Der Planer

Die gewonnene Zeit nutze ich nun, um weiterhin Artikel zu lesen, Programmieren zu lernen und mich nun endlich an ein vollkommen eigenständiges Webapplikation-Projekt zu wagen. Sport war da ja auch noch, aber das ist ein anderes Thema… zu dem komme ich vielleicht irgendwann in einem anderen Post.

Das schöne an meinem aktuellen Job ist auch, dass ich direkten Kontakt mit echten(!) Entwicklern habe und mich so austauschen kann. Das kann leider kein Tutorial oder Buch dieser Welt ersetzen und einige Programmieranfänger geben dann auch deswegen irgendwann auf, weil der Austausch nicht gegeben ist. Da ich mich in meinem letzten Online-Tutorial mit React und Redux auseinandergesetzt und einem unserer Entwickler davon erzählt hatte, bat er mich, einfach mal einen kleinen Tech Talk unter uns Kollegen dazu zu machen. Zusammen mit meinem aktuellen eigenständigen Projekt, wo ich einiges davon umsetze, ist das eine super Gelegenheit, um das Gelernte zu vertiefen.

Ein weiteres Thema, das mich in nächster Zeit auf Trab halten wird, ist angewandtes Machine Learning / AI in Unternehmen. Ich bin gespannt, wie der Wissenserwerb in diesem Bereich ablaufen wird.

Abschließend möchte ich diesen – irgendwie doch ausgeuferten – kleinen Seelenstriptease damit abschließen, dass ich plane, diesen Blog demnächst auf GatsbyJS umzustellen. Mal schauen, ob mir das gelingt.

Auf bald!

Bildquelle: Photo by BIQTO from Pexels

Marco Braun

Neu-Berliner. Kreativer Querdenker. Pragmatiker mit Vorliebe für schöne Dinge. Alumni der Universität Bielefeld. Treiber des Herzensprojektes Huciety.

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