Video: Urheberschaft und Kreativität

Kreativität in Form von Graffiti

Über Urheberschaft, Urheberrecht und Kreativität wird ja viel geschrieben. Doch was steckt eigentlich dahinter? Kann man das überhaupt klar ermitteln? Gibt es überhaupt noch irgendetwas, das man als genuin bezeichnen könnte? Oder ist alles nur noch »Copy and Paste«?

Dieses Themengebiet ist unglaublich komplex und aufgrund von ökonomischen Interessen auch hochemotional. Das Für und Wider zum Urheberrecht will ich hier gar nicht erschöpfend darlegen – könnte ich auch nicht. Aber ich denke, dass es sehr wichtig ist, sich einige Aspekte einfach mal vor Augen zu führen.

Everything is a Remix

Die Thematik wird, wie ich finde, sehr gut von Kerby Ferguson vermittelt. Er hat zwischen 2010 und 2012 die vierteilige Videoserie »Everything is a Remix« herausgebracht. Das erste Mal bin ich irgendwann während des Masterstudiums in einem Seminar darauf aufmerksam geworden und habe mir die vier Teile seitdem mehrmals angeschaut. Grundtenor dieser Serie ist, dass es ein Trugschluss ist, zu glauben, wir würden grundsätzlich neue Dinge erschaffen. Vielmehr baut alles auf bereits existierenden Dingen auf. Alles wird »nur« angepasst und kombiniert – so startet auch die Serie mit der Texteinleitung im bekannten Star-Wars-Style mit der Definition des Begriffs »Remix«:

To combine or edit existing materials to produce something new.

Wie erwähnt, handelte es sich ursprünglich um vier einzelne Videos, da diese nacheinander erschienen sind. Es gibt aber mittlerweile eine überarbeitete Version, die alle vier Teile in einem Video abbildet. Dieses finde ihr weiter unten. Nachfolgend gebe ich einen ganz kleinen Ausblick der einzelnen Themen.

Part One: The Song Remains the Same

Die Serie startet mit dem gemeinhin bekannten Sampling, also der Entnahme kurzer Musiksequenzen aus einem Musiktitel, um sie in einem anderen Musiktitel einzubauen und somit etwas Neues zu schaffen. Diese Methode ist insbesondere im Genre Hip Hop zu finden und unerlässlich für dessen Konstituierung.

Interessant sind auch die zahlreichen Beispiele aus der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Beispielsweise hat Led Zeppelin sehr viele ihrer Werke von anderen kopiert – und wurden später dann ebenfalls kopiert, zum Beispiel von Dr. Dre und Eminem.

Part Two: Remix Inc.

Weiter geht es mit Filmgeschichte: 74 von 100 der jeweils 10 erfolgreichsten Filme der letzten 10 Jahre sind Fortsetzungen, Remixe oder Adaptionen von bereits existierenden Filmen. Der Rest sind aber keineswegs »Originale«, sondern Genre Movies, die auf Templates basieren und gemäß ihrer Standard-Elemente den jeweiligen Konventionen der Genres oder Subgenres folgen. Man muss sich dafür nur mal den Plot eines Action- oder Liebesfilms vor Augen halten. Dieser folgt immer einem festgelegten Muster und Dramaturgie.

Um Star Wars geht’s übrigens auch, aber ich will ja nicht alles vorweg nehmen.

Part Three: The Elements of Creativity

Im dritten Teil werden die Grundprinzipien der Kreativität erläutert. Wir kopieren, wenn wir etwas Neues lernen. Ohne etwas Bestehendes nachzuahmen, können wir folglich nichts lernen. Bestehende Dinge werden transformiert, um Variationen herauszuarbeiten und die ursprüngliche Idee weiterzuentwickeln. Die Kombination von bereits existierenden Einzellösungen kann zu großen Innovationen führen, wie etwa der Buchdruck durch Johannes Gutenberg. Damit etwa die Buchpresse überhaupt funktionieren kann, waren wiederum andere Erfindungen, wie zum Beispiel bewegliche Lettern, Tinte und das Papier, notwendig.

Daraus ergibt sich, dass das Kopieren, Transformieren und Kombinieren die drei Basiselemente der Kreativität sind.

Part Four: System Failure

Im letzten Teil der Serie wird der ökonomische Aspekt von Ideen und Werken aufgegriffen, den ich am Anfang des Artikels bereits erwähnt habe. Demnach wird intellektuelle Arbeit heutzutage schlicht verkauft. Dies war aber nicht immer so. Das Copyright für Medien und die Patente für Erfindungen haben ihren Ursprung in den USA. Die ursprüngliche Idee war es, für einen limitierten Zeitraum eben jene intellektuelle Arbeit zu schützen, damit die Erfinder ihre eigenen Investitionen schützen konnten. Dies war notwendig, weil die Entwicklung einer neuen Idee teuer ist und ein Wettbewerber, der daraufhin die Idee kopiert, die Entwicklungskosten nicht hatte. Das Resultat wäre dann, dass der Wettbewerber das jeweilige Produkt günstiger anbieten könnte. Damit würde nicht der Erfinder von seiner Idee profitieren, sondern derjenige, der sie einfach kopiert. Nachdem der Erfinder Profit generiert hat, sollten die jeweiligen Güter nach Ablauf dieser Zeitspanne unter Public Domain gestellt werden um letztlich »Common Goods« bereitzustellen, von denen alle Menschen profitieren. Mit der Zeit geriet diese Auslegung aber immer mehr in den Hintergrund, was letztlich in Gesetzesentwürfen mündete, die fortan intellektuelle Arbeit als Eigentum bezeichneten und zu der heutigen verfahrenen Situation führte.

Kirby Ferguson bringt viele spannende Beispiele zur Sprache und illustriert diese wirklich sehr ansprechend. Wer einmal ein Video selbst geschnitten hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie viel Arbeit er für dieses Projekt auf sich genommen hat, um allen Menschen die Zusammenhänge kreativer Arbeit näher zu bringen. Davor würde ich meinen Hut ziehen, wenn ich denn einen hätte.

Everything is a Remix Remastered (2015 HD) from Kirby Ferguson on Vimeo.

Soziale Netzwerke

Wer mag, kann sich natürlich unter anderem auch bei Twitter und Facebook weiter mit diesem und weiteren Projekten des Autors beschäftigen:

Viel Spaß beim Kopieren!

Bildquelle: Pixabay


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Marco Braun

Neu-Berliner. Kreativer Querdenker. Pragmatiker mit Vorliebe für schöne Dinge. Alumni der Universität Bielefeld. Treiber des Herzensprojektes Huciety.

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